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Real Life und das echte Leben

von Sebastian Czub

Real Life ist in. Den Trend hat jeder TV-Sender erkannt, allen voran die privaten. Von Peter Zwegert, dem Schuldenberater, natürlich staatlich geprüft, bis hin zu „Bauer sucht Frau“ wird jede Art des Lebens und Zusammenlebens durch mindestens eine Sendung abgedeckt. Die Sender, die keine Auswanderer-Reportage im Programm bieten, sind von vornherein nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Als „Blödsinn, widerwärtig“ und „nicht zu ertragen“ beschreibt Marcel Reich-Ranitzki die Situation im deutschen Fernsehen.

Ganz so schlimm mag es vielleicht doch nicht sein, zumal nicht jeder gerne Arte in seiner Freizeit sieht. Die Zuschauerzahlen bestätigen das. Quoten sind ohnehin wichtig. „Ohne Quoten geht einfach nichts“, sagte Nikolaus Brender, Chefredakteur des ZDF auf den Jugendmedientagen 2008 in Mainz. Um Quoten zu erreichen, muss die Sendung gut sein. Besser als die der Konkurrenz und oftmals besser als die Realität selbst. Die Folge: Es wird gefaked. Das beginnt bereits, wenn Tine Wittler, Wohnexpertin bei RTL, an der Haustüre klingelt und die überraschte Familie, die natürlich vollzählig in der Tür steht, schon die richtigen Mikrophone angesteckt hat.

Als irrelevante Nebensache wird dies von den Sendern selbst abgetan, schließlich wird die eigentliche Botschaft der Sendung nicht wesentlich beeinflusst. Seltsam jedoch, wenn in einer Überraschungssendung alle vorher Bescheid wissen. „Bauer sucht Frau“ ist spätestens seit dem Bildzeitungsartikel vom 1. Dezember enttarnt. Der Bild-Zeitung wurde ein firmeninterner Vertrag zwischen der Produktionsfirma und den Frauen aus der Sendung vorgelegt.

Während es in der Sendung so scheint, als könnten die Frauen selbst den Bauern ihrer Träume auswählen, haben sie zwar in der Realität die Möglichkeit Wünsche zu äußern, werden dann aber fest zugeteilt. Die 26-jährige Bianca wollte eigentlich zu Bauer Andi. Leider war dieser schon völlig ausgebucht, und Bianca wurde Bauer Markus zugeteilt. Den mochte sie allerdings gar nicht. Kandidatin Silke hatte sich zwar für Bauer Markus beworben, war nach dem erstenTreffen jedoch äußerst abgeneigt.

Doch auch hier schreibt der Vertrag feste Regeln vor: Unter drei Tagen geht keiner. So kam es dann, wie es kommen musste. Silke blieb bei Markus und spielte der Kamera Gefühle vor. Doch als die Regisseurin beim gemeinsamen Tanz einen romantischen Kuss forderte, „war Schluss“, so Silke gegenüber der Bild. Doch der übermütige Markus war nicht mehr zu stoppen und hatte seine Lippen schon auf ihre gepresst. „Nicht zu beschweren“ habe sich Silke, meint die Regiesseurin, schließlich kassiere sie 150 Euro pro Tag, beim Scheunenfest sogar 250 Euro.

Wer das noch als Kleinigkeiten ansieht, sollte Bauer Bernhard und seine Liebste Beate genauer unter die Lupe nehmen. Nicht nur, dass sich die zwei zwar im Fernsehen getrennt haben, hinter der Kamera aber eigentlich zusammenziehen, sondern auch die Tatsache, dass Bernhard eigentlich gar kein Bauer ist. Er vermietet landwirtschaftliche Fahrzeuge und ist Großhändler für Heu. Die Rinder, die in der Sendung immer wieder gezeigt werden, sind „nur noch der Rest von der Landwirtschaft.“

Quoten erzielen kann nicht jeder, und es mag auch eine Herausforderung sein. Wer schummelt, hat es einfacher. Dem Zuschauer etwas vortäuschen, was es in Realität nicht gibt – den Trend hat jeder TV-Sender erkannt.

9 Februar, 2010 Kein Kommentar

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