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CRANK – Ellen Hopkins

von Melanie Michalski

Was passiert, wenn du einen geliebten Mensch fast nicht wiedererkennst, als er aus dem Urlaub zurückkehrt? Was ist, wenn derjenige einem Stoff verfallen ist, der ihn in einen anderen Menschen verwandelt hat? Wie ist das Leben eines Süchtigen? Und gibt es einen Ausweg aus den Klauen des Monsters? Diese Fragen beantwortet Ellen Hopkins in ihrem neuen Roman „Crank“ – einem Buch, das keine Tabus kennt.

Kristina Georgia Snow ist 17 Jahre alt und das, was man unter einem braven, wohlerzogenen Mädchen versteht. Sie ist eine vielversprechende Schülerin, eine gute Schwester, die perfekte Tochter. Kurz: Man müsste denken, dass in Kristinas Leben alles glatt läuft. So sieht es jedenfalls nach außen hin aus, doch in Kristinas Innerem brodelt es vor sich hin. Seit ihre Mutter Scott als neuen Freund hat, fühlt sie sich überflüssig, abgeschoben. Deswegen sagt sie auch sofort zu, als ihr Vater aus Reno anruft und sie für drei Wochen zu sich einlädt, was das erste Telefonat seit vielen Jahren zwischen ihren Eltern ist.

Doch Kristinas Kindheitswunsch, wieder Daddys Prinzessin in seinem wunderbaren Märchenschloss zu sein, geht nicht in Erfüllung. Vielmehr stellt sich heraus, dass die Gegend, in der ihr Vater wohnt, heruntergekommen ist und er selbst ist es auch: Er raucht, nimmt Drogen und arbeitet schwarz auf einer schmuddeligen Bowlingbahn, in deren Hinterräumen die Gäste zusammen Drogen konsumieren. Und dann ist da natürlich noch Adam alias Buddy, der eine Freundin hat und – wie alle anderen – Drogen nimmt. Adam: Durchtrainierter Körper, sonnengebräunt und einfach unwiderstehlich gutaussehend. Kurz: Überhaupt nicht der Typ Mensch, mit dem Kristina sich normalerweise abgeben würde. Doch plötzlich taucht da dieses neue Ich in Kristina auf, das sie insgeheim Bree nennt. Es macht sie mutig, es macht sie stark. Bree ist so etwas wie ihre böse Hälfte und hat sich schon viel zu lange im Dunkeln gehalten. Zusammen mit Bree und Adam nimmt Kristina auch zum ersten Mal die Droge Crank, die schon bald ihr Leben bestimmt. Denn als sie nach Hause zurückkommt ist nichts mehr wie zuvor und das Monster – wie sie Crank nur nennt – zieht Kristina immer weiter nach unten.

Crank ist ein fesselnder Roman, der eine Geschichte erzählt, die zwar fiktiv ist, aber auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Besondere an dem Buch ist, dass es über 500 Seiten hinweg in freien Versen geschrieben ist und das sehr abwechslungsreich, sodass jede Seite ein kleines Kunstwerk für sich ist. Mal reimt es sich, mal reimt es sich nicht, mal sind alle Wörter durcheinander, mal hat das Ganze eine geordnete Form – wie der Inhalt eben auch. Gemeinsam mit Kristina wird der Leser in einen Strudel von Ereignissen gezogen, den er am liebsten irgendwie stoppen würde, doch der Weg aus der Sucht ist sehr steinig und schwer. Die Sucht – beschrieben aus der Sicht einer Süchtigen. … weiterlesen

10 Januar, 2011 Kommentare deaktiviert für CRANK – Ellen Hopkins

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