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»Die Sprachlosigkeit treibt mich an«

von Emilia von Senger

Sie fährt dorthin, wo Menschen Not leiden; Carolin Emcke hört zu, will verstehen und schreibt, unter anderem als Krisenreporterin für die ZEIT. Im NOIR-Interview erzählt sie von Dragshows in Jerusalem, ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen Nachrichten und der Sprachlosigkeit traumatisierter Menschen.

Felix Gardolez Martinez, 65, erzählt Carolin Emcke seine Geschichte. - Foto: Thomas J. Mueller

Frau Emcke, Sie sind gerade aus Israel wiedergekommen. Können Sie eines Ihrer einprägsamsten Erlebnisse dort beschreiben?

Ich wollte ein Porträt über Jerusalem schreiben, ohne das zu wiederholen, was alle anderen schon über diese Stadt geschrieben haben. Die meisten Menschen, egal ob Christen, Juden oder Muslime, sehen Jerusalem mit religiösen oder historisierenden Augen, sie denken vor allem an die viertausendjährige Geschichte. Mein Erlebnis war ganz zeitgenössisch: Ich war in einer Drag Show (Transvestitenshow, Anmerk. d. Red.) mitten in Jerusalem. Auf der Bühne sangen und tanzten zwei Transvestiten zu Abba-Songs. Auf einmal aber zündeten sie Hanukkah-Kerzen an und sprachen den klassischen Segen. Eine Drag-Queen auf der Bühne mit leuchtenden Hanukkah-Kerzen in der Hand; das war das überraschendste und einprägsamste Moment meiner Reise. … weiterlesen

15 Juni, 2010 Kommentare deaktiviert für »Die Sprachlosigkeit treibt mich an«

Im Zentrum der Piusbruderschaft

von Andreas Spengler, Sophie Rebmann, Susan Djahangard, Mitarbeit: Jan Spreitzenbarth

Wochenlang waren sie in den Schlagzeilen, als Holocaustleugner, katholische Fundamentalisten, Hetzer und Scharfmacher gegen Andersgläubige: die Piusbrüder. Unsere Autoren Sophie Rebmann, Susan Djahangard und Andreas Spengler wagten den Besuch im deutschen Hauptsitz der Bruderschaft in Stuttgart

Pater Andreas Steiner sah seine Kirche schon in Flammen stehen. Panisch rief er beim SWR-Studio an: „Sie müssen klar machen, dass wir das zurücknehmen, dass es uns leidtut, dass wir das so nicht sagen wollten!“ Einer der führenden Piusbrüder hatte bei einem Interview den islamischen Propheten Mohammed beleidigt.

Steiner konnte sich die Reaktionen der islamischen Bevölkerung bereits ausmalen. Doch diesmal hatten die Piusbrüder Glück: Der SWR entschärfte das Zitat.

Mit diesem Tag war für den Medienbeauftragten der Piusbruderschaft ein Tiefpunkt erreicht: Furchtbar seien die letzten Wochen und Monate gewesen, wie ein Tsunami war die Medienmeute über die Bruderschaft hereingebrochen. Alle wollten sie Bilder, Interviews, Erklärungen.

Doch was war geschehen? … weiterlesen

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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