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Sundari könnte ihren Körper in jedem Hotel verkaufen

von Maria Hörl

Foto: Maria Hörl

Sundari ist gerade 18 Jahre alt geworden und hat damit schon fast die Hälfte ihres Lebens hinter sich. Voraussichtlich wird sie ca. vierzig Jahre alt werden: Sundari ist HIV positiv. Als sie zehn war, starb ihre Mutter. Mit zwölf verlor sie ihren Vater. Hierher gebracht hat sie ihr Musiklehrer, der Freund ihres Vaters. „Hierher“, damit meint sie das Entwicklungshilfeprojekt der Ordensschwestern, der „Helpers of Mary“ im Kinderdorf Naya Jeevan, etwa achtzig Kilometer von Mumbai entfernt. Das war 2006. Seither wohnt sie hier und wird von den Ordensschwestern versorgt. Sie kümmert sich um ihre vierzehnjährige Schwester und um ihren zwölf Jahre alten Bruder. Für die beiden versucht sie ein wenig Mutterersatz zu sein. Ihr Onkel besucht sie rund ein Mal im Monat. Die anderen Verwandten haben Angst vor einem Besuch.

Im Jahr 2008 waren nach Angaben der Organisation UNAIDS  rund 1,5 Millionen Menschen in Osteuropa und Zentralasien mit HIV infiziert. Die Zahl in diesen Regionen steigt jährlich. In West- und Zentraleuropa sind es rund 850 000 Menschen. Weltweit gehen die Neuinfektionen zurück, obwohl laut UNAIDS zurzeit rund 10 Millionen infizierte Menschen weltweit nicht mit den notwendigen Medikamenten versorgt werden.

Sundari bekommt zwei Mal am Tag Medizin. Die Medikamente werden von der Regierung kostenlos bereitgestellt. Es gäbe auch Behandlungsmöglichkeiten, die Sundari länger leben lassen würden, doch diese können sich die Ordensschwestern nicht leisten.

20 September, 2010 Kein Kommentar

Die geoutete Generation

von Sanja Döttling und Katrin Wittman

Ein Essay von Sanja Döttling und Katrin Wittman

Symbolfoto: "Anja Vigenschow" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

So ziemlich jeder Experte oder auch Laie durfte in der letzten Zeit seine Meinung über den Alkoholkonsum von Jugendlichen kundtun. Nur eine Personengruppe hat sich kaum dazu geäußert: Wir Jugendlichen. Was wäre das für eine Berichterstattung, wenn wir uns selbst nicht die Möglichkeit gäben, unsere Meinung zu äußern?

Maßgeschneiderte Kleider und Standarttänze. Mit der gesamten Verwandtschaft wird auf das bestandene Abitur angestoßen. Doch kaum ist der  offizielle Teil des Abiballs vorbei, wird der 4-Euro Wodka von der Tankstelle um die Ecke geköpft. Gesoffen wird bis morgens um fünf, wenn Bekannte und Verwandte der Elite von morgen schon lange selig schlummern.

Wir reden gerne von „den betrunkenen Jugendlichen“, als würden wir sie hin und wieder in Stuttgart am Bahnhof stehen oder auf dem Heimweg im Straßengraben liegen sehen. Wir reden von ihnen, als wären sie eine Bevölkerungsschicht, weit von unserer entfernt. Wir machen uns gerne vor, dass nur „die Anderen“ trinken, die „Ey – alder!“ und die „gibsch mal Handynummer, Schnegge?“-Jugendlichen.

Aber die sind nicht das Problem. Von denen kann man zur Not immer noch sagen, dass sie es nicht besser wissen. Die Problemjugendlichen, das sind wir. Wir, die alles, was über uns in der Zeitung steht, ganz genau wissen und sogar noch mehr. Wir, die unter der Woche für die Schule ackern, um unseren Eins-Komma-Schnitt im Abi zu halten, und trotzdem jeden Freitag eine wahrhaft unglaubliche Wandlung vom braven Schüler zum Absturzkind durchmachen. Wir reden hier nicht von einem Glas Sekt mit Freunden nach der überstandenen Matheklausur, wir reden von gezieltem Abschießen. Und ja, das tun wir. Und nicht nur einmal. Wir können uns hier noch nicht mal als Säufer outen, weil das so wäre, als würden wir uns als hetero outen – es ist schlicht und einfach „normal“. Das, was wir praktizieren, ist ein aufgeklärtes Trinken. Wir trinken, obwohl wir es besser wissen. … weiterlesen

2 September, 2010 Kein Kommentar

Handicap

von Stefan Franke

Prolog

„Handicap“ erzählt von der Zeit meines Zivildienstes in der Pestalozzischule Fulda.

Ein Jahr mit behinderten Menschen zwischen 6 und 18 Jahren – neue Eindrücke und Erfahrungen mit emotionaler Tiefe. In 20 Fotografien geht es dabei um viel mehr als nur um eine reine Zeit. Im Vordergrund stehen gesellschaftliche Fragen. Wie sehen wir Menschen mit Behinderungen? Wie nehmen wir sie auf und ist Integration noch das richtige Wort? Mit bewegenden Bildern aus dem Alltag, stillen Zeitzeugen und tiefgründigen Portraits der Kinder gehe ich auf eine Reise durch unsere Gesellschaft, unsere Empfindungen und Gefühle. Emotionen, die geprägt sind von Persönlichkeiten, behinderten Menschen, nicht behinderten Menschen und die damit verbundenen Barrieren. Die Bilder sollen bewegen, berühren und zum Dialog auffordern, Unsicherheiten beseitigen, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen und gesellschaftliche Offenheit fordern. … weiterlesen

11 Juni, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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