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Aus Protest aufs Dach

von Katharina Tomaszewski

Florian Carl - Foto: Katharina Tomaszewski

Florian Carl ist seit vier Jahren Gegner des Projekts Stuttgart 21. Als die Deutsche Bahn vergangenen Mittwoch (25.08.10) mit den Abrissarbeiten begann, stieg er aus Protest für einen Tag auf das Dach des Nordflügels. Im Gespräch erzählte er von seinen Erfahrungen mit der Polizei und der Stuttgart 21 Gegenbewegungen.

Stuttgart – Der Abiturient Florian Carl ist seit einem halben Jahr täglich am Bauzaun. Er demonstriert und redet mit den Leuten über die Nachteile des Bauprojekts. „Stuttgart 21 vereint die Leute. Durch die Proteste wird Stuttgart zu einer wacheren Stadt, die Bürger sind politisch offener geworden“, findet der 20-jährige. Zum ersten Mal habe sich in Stuttgart eine Demonstrationskultur entwickelt.

Den geplanten Runden Tisch hält er für ein vorgegaukeltes Gespräch. „Mich ärgert die Arroganz der Verantwortlichen und wie sie mit den Bürgern umgehen“. Die Gegner fordern nicht nur einen Baustopp sondern auch ein Vergabestopp, damit das Projekt nicht noch teurer wird wenn es jetzt abgebrochen wird.

Das aufs Dach klettern bezeichnet Florian als eine „total spontane Aktion“, sie geschah aus der Hilflosigkeit unten zu stehen und nichts machen zu können. Es war nicht einfach an den Polizisten vorbei zu kommen, weil sie überall am Bahnhof präsent waren. „Wenn man sich so etwas überlegt, dann versucht man das Risiko zu minimieren daran gehindert zu werden.“ Die Polizei sei aber auch sichtlich überfordert gewesen an diesem Tag. Auf dem Dach angekommen, versuchten Einsatzkräfte von der Landespolizei und der Bundespolizei immer wieder die sieben Demonstranten vom Dach zu holen. „Wir saßen stundenlang in der Sonne, die Polizei verhinderte die ersten sechs Stunden, dass uns jemand Wasser und Essen hochbrachte“, beschwert sich Florian. Die Polizisten versuchten sie immer wieder mit Psychotricks vom Dach zu holen, jedoch ohne Erfolg an diesem Tag. Abends unterstützten mehr als 200 Demonstranten die sieben auf dem Dach, indem sie vor dem Bauzaun Nachtwache hielten. Sie riefen immer wieder: „Ihr da oben, wir da unten sind im Widerstand vereint“. … weiterlesen

3 September, 2010 Kein Kommentar

S21-Demonstration behinderte Versorgung mit Blutkonserven

von Alexander Schmitz

Stuttgart – Demonstranten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 behinderten am Mittwoch, den 25. August, mit ihren Straßenblockaden die Versorgung von Krankenhäusern mit Blutkonserven und Blutprodukten für dringend notwendige Operationen.

Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski fordert deshalb: „Die Versorgung mit Blutkonserven und Blutprodukten darf keinesfalls in Gefahr geraten.“ Er appelliert an alle Demonstranten, Fahrzeuge mit einem Schild ‚Achtung! Eiliger Bluttransport‘ reibungslos passieren zu lassen. Dies meldete der Pressedienst der Stadt Stuttgart.

27 August, 2010 2 Kommentare

Der Abriss hat begonnen

von Katharina Tomaszewski

Stuttgart – Jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Deutsche Bahn AG hat am Mittwoch begonnen, die Mauern des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes abzutragen. Mit Baggerbissen wurden nach und nach die oberen Stockwerke beseitigt. Einige Demonstranten versuchten dies zu verhindern und stiegen sogar auf das Dach. Oben angekommen hielten sie ein Transparent hoch auf dem sie den Rücktritt von Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) forderten. Die Polizei konnte sie jedoch überwältigen und vom Dach holen.

Abends demonstrierten hunderte Stuttgart 21-Gegner, einige mit Megaphonen, Pauken und Trillerpfeifen ausgestattet, lautstark am Hauptbahnhof. Dort verstopften sie die Straßen, so dass der Auto- und S-Bahnverkehr blockiert wurde und sich ein Stau bildete. Gegen 20 Uhr liefen die Demonstranten lärmend, über die Schillerstraße, auf die Konrad-Adenauer-Straße (B14) und behinderte hier ebenfalls den Verkehr.

Die S 21-Gegner geben nicht nach. Vor dem Nordflügel des Hauptbahnhofes sind rund um die Uhr Menschen die gegen das Bahnprojekt demonstrieren, mit Plakaten auf sich aufmerksam machen oder Passanten über dessen, aus ihrer Sicht, Nachteile informieren. Rund um die Uhr stehen mit Schlagstöcken bewaffnete Einsatzkräfte der Polizei auf dem Areal des Hauptbahnhofs. Mehrere dutzend Polizeiwagen stehen hinter dem Bahnhof für jede Situation bereit. Bisher kosteten die Polizeieinsätze, während der S 21-Demonstrationen, die Stadt Stuttgart schon über 1 Million Euro. Fritz Mielert ist einer der Sprecher der „Stuttgart 21“-Gegner und kündigte im Deutschlandradio Kultur an, dass die heftigen Proteste noch mindestens ein Jahr anhalten würden. … weiterlesen

26 August, 2010 Kein Kommentar

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