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»Die Sprachlosigkeit treibt mich an«

von Emilia von Senger

Sie fährt dorthin, wo Menschen Not leiden; Carolin Emcke hört zu, will verstehen und schreibt, unter anderem als Krisenreporterin für die ZEIT. Im NOIR-Interview erzählt sie von Dragshows in Jerusalem, ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen Nachrichten und der Sprachlosigkeit traumatisierter Menschen.

Felix Gardolez Martinez, 65, erzählt Carolin Emcke seine Geschichte. - Foto: Thomas J. Mueller

Frau Emcke, Sie sind gerade aus Israel wiedergekommen. Können Sie eines Ihrer einprägsamsten Erlebnisse dort beschreiben?

Ich wollte ein Porträt über Jerusalem schreiben, ohne das zu wiederholen, was alle anderen schon über diese Stadt geschrieben haben. Die meisten Menschen, egal ob Christen, Juden oder Muslime, sehen Jerusalem mit religiösen oder historisierenden Augen, sie denken vor allem an die viertausendjährige Geschichte. Mein Erlebnis war ganz zeitgenössisch: Ich war in einer Drag Show (Transvestitenshow, Anmerk. d. Red.) mitten in Jerusalem. Auf der Bühne sangen und tanzten zwei Transvestiten zu Abba-Songs. Auf einmal aber zündeten sie Hanukkah-Kerzen an und sprachen den klassischen Segen. Eine Drag-Queen auf der Bühne mit leuchtenden Hanukkah-Kerzen in der Hand; das war das überraschendste und einprägsamste Moment meiner Reise. … weiterlesen

15 Juni, 2010 Kein Kommentar

Die neue Spezies: Homo buerocensis

von Miriam Kumpf

1900 kamen auf 100 Industriearbeiter drei Büroangestellte. 107 Jahre später kommen auf einen Industriearbeiter zwei Büroler. „Wir sind erst am Anfang der bürokratischen Epoche“, wertet Peter Huth, Autor des Buches „Das Büro“. Ein Leitfaden fürs Büro? „Das Büro ist die Familie des modernen Menschen“, schreibt Peter Huth. Jeder zehnte Deutsche lerne dort die große Liebe kennen. Das Büro sei Heimat. Kollegen ersetzen die Familie. Grenzen zwischen Beruf und Privatem verschmelzen. … weiterlesen

15 März, 2010 Kein Kommentar

Die Gemüseradlerin

von Fabian Vögtle

Zwischen Vorlesung und Seminar braust Lisa Keller mit ihrem Fahrrad und einem viermal so großen Fahrradanhänger mit 29 roten Kisten drauf durch Freiburgs Wohnviertel

„Nordseefisch würde ich nicht mit meinem Rad herumkarren, aber das Gemüse von nebenan bringe ich mit großer Freude zu den Kunden“, erläutert die 23-jährige Studentin ihren Job, den sie so sehr liebt. Seit knapp zwei Jahren fährt sie einmal die Woche für „Gemüse im Abo“ mit ihrem Rad und dem Anhänger herum. „Ich bin immer an der frischen Luft, treffe nette Leute, und die meisten Kunden freuen sich, wenn sie mich anradeln sehen“, erzählt sie mit strahlenden Augen, während sie zwei Dutzend volle Kisten auf ihren Anhänger lädt. … weiterlesen

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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