Home » Kultur »Kunst & Design »Literatur » Aktuell am lesen:

Das ist KeinBuch!

von Franziska Kelb

Foto: Franziska Kelb

Eine Anleitung zum Kreativ sein in 86 Schritten

Gegen die Wand werfen? Als Handtuch benutzen? Essen und Trinken hinein schütten? Das sind alles Dinge, die man nicht mit einem Buch tun sollte. Ob Schulbücher, Lexika oder der Lieblingsroman, meistens wird penibel darauf geachtet, dass das Buch sauber und ordentlich bleibt.

Das alles gilt nicht für das KeinBuch. Es stellt dem Besitzer 86 kleine und große Aufgaben, was man mit dem Buch alles tun kann. Es soll die Kreativität fördern und die Angst vor dem ‚weißen Blatt‘ schmälern. Zudem sieht es, nachdem man alle Aufgaben erledigt hat, bei jedem Benutzer individuell aus.

Als ich mein KeinBuch endlich vom Postboten geliefert bekam, konnte ich es kaum abwarten es zu benutzen. Die erste Aufgabe schien noch recht leicht: Den Buchrücken verknicken, das habe ich auch schon mit diversen Schullektüren geschafft. Doch neben solchen einfachen Aufgaben, wie zum Beispiel den Umschlag zu bekritzeln oder es eine Nacht unter mein Kopfkissen zu legen, hatte ich bei manchen Aufgaben Mitleid mit dem armen Buch. Ich sollte eine Seite als Handtuch benutzen, einer anderen etwas von meinem Essen abgeben. Eine Nacht lang hing es einsam an einem Baum, eine weitere Seite wurde von meinem besten Freund zerstört.

Ein Kunstwerk wie kein anderes

Mittlerweile ist es mit Farbe, Fett, Wasser und Erde beschmutzt und schon nicht mehr als Buch zu erkennen. Manche stellen sich vielleicht die Frage, wo da der Sinn liegen soll. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie gut ich auf meine Schulbücher aufpassen sollte. Kein Fleck, kein Knick durfte an das Buch, was die Versuchung, es doch zu bemalen, noch viel größer machte. Das KeinBuch schafft endlich Abhilfe. Ich durfte Gefühle wie Wut und Freude, vor allem aber meine eigene Kreativität daran ausleben. Jetzt sieht es nicht mehr aus wie ein Buch, sondern vielmehr wie ein von mir erschaffenes Kunstwerk.

26 November, 2010 Kommentare deaktiviert für Das ist KeinBuch!

Diesen Artikel kommentieren:

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

Kategorien