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Fantasy für Hartgesottene

von Sanja Döttling

Bartimäus ist ein Dämon – oder Dschinn, wie er bevorzugt genannt werden will. Ein unglaublich mächtiger, gewiefter, alter und gefährlicher Dschinn.

Der aktuelle vierte Band der Bartimäus-Reihe spielt in Jerusalem zur Zeit des Königs Salomon. Mit Hilfe eines magischen Rings kontrolliert er alle Dämonen, weshalb sich mächtige Zauberer aus Angst vor seiner Macht um ihn scharen. Einer von ihnen ist der machthungrige und unsympatische Khaba, der den Dschinn Bartimäus beschwört. Bartimäus mussseinem Herren gehorchen, lässt aber keine Möglichkeit aus, um ihm auf die Nerven zu gehen.

Zur selben Zeit stellt König Salomo der Königin von Saba ein Ultimatum, einen Tribut an ihn zu leisten oder ihr Königreich würde zerstört werden. Die Königin ist stolz, will den Tribut nicht zahlen und sendet ihre erste Wache Asmira nach Jerusalem, um den König zu töten und das grausame Schicksal von Saba abzuwenden. Doch die beiden verbindet ihr  Schicksal.

Das vierte Buch der Serie ist ein Prequel zu den ersten drei, die eine in sich abgeschlossene Trilogie bilden. Sie erzählen die Abenteuer von Bartimäus und Nathanael, der im aktuellen Buch nicht auftritt. Es lebt von Bartimäus, der wegen seines Größenwahns, seinem ständigen Gekeife und dem Blödsinn, den er gerne veranstaltet, äußerst sympathisch wirkt. Wie jeder beschworene Dämon oder Geist, hasst er seinen Meister und möchte ihn töten, da durch die Beschwörungen die Geister zu Sklaven ihrer Herren werden.

Jonathan Stroud beschreibt Bartimäus Hass auf seinen Herrn mit solch witziger und teils blödsinniger Inbrunst, dass man als Leser Bartimäus so gut wie all seine Taten verzeiht. Teilweise wirken die Witze allerdings zerhackt und schwerfällig. Seine in Fußnoten erzählten Anekdoten aus einem fast 2000 jährigen Leben laden ebenfalls zum Schmunzeln ein. Er erzählt von ehemaligen Meistern, von Bestrafungsmethoden der San, einem Stamm, dem er einmal diente und kommentiert aktuelles Geschehen.

Das Buch erzählt aus Sicht unterschiedlicher Charaktere, wobei die eine oder andere Sichtweise nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre. So interessiert es nicht, was die Königin von Saba zu sagen hat, da sie im ganzen Buch nur in einem Kapitel vorkommt. Wirklich gut gelingt der Perspektivenwechsel in Szenen, in denen sowohl Bartimäus als auch Asmira auftreten, da sie absurd verschieden sind.

Teilweise leidet die Geschichte unter einem wirren Spannungsbogen: Bartimäus verfolgt nicht eine einzige Aufgabe, sondern je nach Auftragsstellung seines Meisters immer unterschiedliche Ziele, die er nur zu gern umgehen würde.

Für ein Kinderbuch ist Bartimäus zu brutal, für Erwachsene zu kindisch. Dennoch ist das Buch unbedingt lesenswert, vor allem für Fantasyfans. Der Leser kann den Tricks und Abenteuern des Bartimäus auch folgen, ohne die ersten Bände zu kennen.

(Stroud, Jonathan. Bartimäus – Der Ring des Salomo: Band 4. Cbj. Oktober 2010)

24 November, 2010 1 Kommentar

Aktuell gibt es "1 Kommentar" für diesen Artikel:

  1. Yannik B. sagt:

    Ich bin überrascht. Ich dachte, das sei eine Trilogie. Und das ist ewig her, dass ich die alle gelesen habe. Das letzte sicher vor…3 Jahren?! Nun bin ich nach deiner Kritik schon zu alt, und doch werde ich es mir wohl zu Gemüte führen :D

    Gruß

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