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Bürokratie auf bosnisch

von Sophie Rebmann

Foto: "Samuel Bayer" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Zwei Wochen nach meiner Ankunft mache ich mich mit meinem Betreuer in Bosnien auf den Weg zur Polizei, um mich dort für das Jahr anzumelden. Wir betreten ein Haus, das von außen den Eindruck eines normalem Einfamilienhauses macht. Innen werden wir in einen Raum gebeten und setzen uns vor einen der beiden Schreibtische, auf denen noch einer dieser großen Röhrenmonitore den halben Tisch einnimmt. Hinter dem Kasten zieht die Beamtin die Augenbrauen hoch, als sie auf den Stempel in meinem Pass schaut, den ich bei der Einreise an der Grenze bekam. Da das Gesetz vorschreibt, jeder Ausländer müsse sich innerhalb von 24 Stunden polizeilich registrieren, ist ihr mein Stempel nach zwei Wochen zu alt.

Da alles seinen korrekten Weg gehen muss, kann sie mir ohne frischen Stempel keine polizeiliche Anmeldung für Ausländer in Bosnien ausstellen. Sie schlägt daher vor, zur Grenze zu fahren, nochmals aus- und einzureisen um mit dem frischem Stempel wieder vor ihrem Schreibtisch einzutreffen.

So steigen wir am nächsten Morgen tatsächlich ins Auto und fahren – glücklicherweise nur 40 Minuten lang – zur nächsten Grenzstadt. Innerhalb weniger Sekunden schlägt einer der Grenzposten einmal auf den Stempel und ich bin wieder offiziell in Bosnien.

Nach einem Kaffee – dafür ist in diesem Land immer Zeit – fahren wir zurück und erhalten von der etwas dicklichen Beamtin in nur fünf Minuten das nötige Papier – ein passgroßer Karton, auf dem meine Daten aufgenommen wurden.

9 November, 2010 Kein Kommentar

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