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Verchilit

von Maria Blenich

Foto: "Bu" / www.flickr.com, CC-Lizenz(by-nc)

Ein Vulkan bricht aus und die feurige Lava bahnt sich ihren Weg über meine sich windende Zunge direkt in meinen Rachen. Die Tränen schießen schon in die Augen, die brennenden Lippen suchen verzweifelt nach Kühlung und mein mexikanisches Gegenüber kann sich ein schadenfrohes: „Jajaja (gesprochen:chachacha), te enchilaste!“ nicht verkneifen. Te enchilaste – Du hast dich verchillit, oder so ähnlich.

Mittlerweile habe ich alle Klischees über das mexikanische Volk über Board geworfen, jedoch eines ist wahr und macht sich jeden Tag mindestens einmal schmerzlich bemerkbar: Sie essen verdammt scharf! Wenn ich scharf schreibe meine ich allerdings nicht unser altbekanntes „Chilli Con Carne- scharf“. Nein, es ist dieses heimtückische, fiese und hinterlistige scharf, dass sich in einem leckeren Taco versteckt. Während man selbst noch erstaunt denkt: „Wow, so langsam habe ich mich daran gewöhnt!“, fangen die Lippen an zu brennen und drei Bissen später kommt es zum Vorschein und stellt einem die Luft ab.

Dieser Erfahrung kann, wer sich länger als zwei Tage in Mexiko aufhält, nicht aus dem Weg gehen, denn auch die Mango zum Frühstück bekommt mehr als eine kräftige Prise Chilli verpasst und nachdem das Bier schon mit Limone und Salz verfeinert wurde, dass es nur so sprudelt, darf natürlich die gute Valentina-Chillisoße nicht fehlen. Der Geschmacksnerven- Supergau wird allerdings erst erreicht, beim erwartungsvollen in den Mund stecken eines Lollis, um dann mit verzogenem Gesicht festzustellen, dass auch hier das Chillimonster einen nicht verschont.

Und die Moral von der Geschicht’, traue einem Mexikaner nicht! Aber nur, wenn es mal wieder heißt: „No es picante!“

17 Oktober, 2010 Kommentare deaktiviert für Verchilit

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