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Eine Reise ins Innere der Medien

von Sanja Döttling

Regieraum des ZDF-Hauptstadtstudios - Foto: Ludger Heide

Ein Besuch im ZDF-Hauptstadtstudio

Zuerst fällt gar nicht auf, dass die offene Straße endet und ein überdachter Hinterhof beginnt. Nur eine gläserne Schiebetür dient als Grenze.

Zur linken befindet sich ein Restaurant, nur die vielen Schweinwerfer und emsig arbeitenden Bühnenbauer in der Mitte des Hofs weisen darauf hin, dass dies kein gewöhnlicher Hof ist: Er gehört zum ZDF-Hauptstadtstudio und Maybrit Illner diskutiert hier in gut 24 Stunden über aktuelle politische Themen. Aber noch ist es still.

„Das ZDF bemüht sich um eine offene Atmosphäre. Schließlich sollen die Leute sehen, wofür sie Rundfunkgebühren bezahlen“, erklärt Peter Hill, Pressesprecher des Hauptstadtstudios. Bevor er zum ZDF wechselte, war er lange Journalist. „Die Kunden von Pressestellen sind meistens Journalisten. Deshalb ist es als Pressesprecher eine gute Voraussetzung, selbst Journalist gewesen zu sein.“ Ein Pressesprecher vertritt sein Unternehmen nach außen und muss deshalb in schwierigen Situationen auch Nachrichten verschweigen, die dem Unternehmen schaden könnten. Das kann zu moralischen Zwiespälten führen, die ein unabhängiger Journalist nicht hat. „Ein Journalist muss hinter Dinge kommen, die ihm der Pressesprecher nie erzählen würde“, bringt Peter Hill die gegenseitige Beziehung der beiden Berufe auf den Punkt.

Er führt durch das Gebäude und scherzt dabei: „Ihr größtes Risiko als Besucher: Während wir drehen, kann man uns nicht besuchen, und sonst ist es ziemlich langweilig.“

Das ist relativ: Im größten Studio des Gebäudes hängen an der Decke hundertzehn, individuell bewegbare Scheinwerfer. Ein paar gewaltige, mit grauer Plane bedeckte Kameras stehen in dem ansonsten leeren Raum. „Die müssen ganz lautlos sein.“ Bald stehen auf diesem Boden wieder die Moderatoren des Morgenmagazins, das hier produziert wird. Es ist die längste Livesendung, die regelmäßig im Fernsehen läuft. Rund 60 Leute arbeiten an dieser Sendung, Redakteure und Maskenbildner zum Beispiel. Aber die Hälfte des Teams ist für die Technik zuständig: Kamera-, Ton- und Lichttechniker, Kabelträger und Kameramänner.

Auf dem Weg in den Regieraum hängen in den Gängen fast überall Scheinwerfer. Das Studio ist so konzipiert, dass überall gedreht werden kann. Der schon zehn Jahre alte Regieraum sieht ein wenig aus wie der Kommandozentrale eines Raumschiffes: unzählige Knöpfe, ungewöhnlich farbige Tastaturen, Röhren- und Flachbildschirme. Hier sitzen der Aufnahmeleiter, Regisseur und der Operator. „Wir arbeiten komplett bandlos; alle Aufnahmen liegen in einer Datei vor. Unser Serverspeicher bewegt sich bei um die 1000 Terabyte (1 Terabyte = 1000 Gigabyte).“

Durch enge Gänge geht es weiter zu einem Konferenzsaal. „Die Gänge sind deshalb so schmal, weil überall an der Wand Kabel hinter der Verkleidung entlanglaufen.“

Das Internetangebot des ZDF soll gezeigt werden – Aber das Netzwerkkabel ist verschwunden, und ohne Internetanschluss geht nichts. Damit ist zumindest geklärt, dass bei den ganz Großen im Mediengeschäft die Technik auch nicht immer so mitspielt wie sie sollte.

15 Oktober, 2010 Kein Kommentar

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