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Grüne, rote, weiße Gesichter

von Ronja Most

Foto: Europa-Park Freizeit- und Familienpark Mack KG

Einen Tag hinter die Kulissen des Medienstandortes Rust schauen. Dabei öffneten sich der Jugendpresse Türen, die alltäglichen Besuchern meist verschlossen bleiben.

Lautes Geschrei, Menschenmassen und verführende Gerüche – das ist es, was ein Besucher im Europapark als erstes wahrnimmt. Das bedrohende Rauschen der Achterbahnen ist nicht zu überhören. Neben den riesigen Stahl-Skeletten der Achterbahnen kommt man sich nahezu zwergenhaft vor. Doch die Jugendpresse hat sich vorgenommen, vor beängstigenden Schallwellen und schwindelerregenden Höhen nicht zurückzuschrecken, immer auf der Suche nach dem puren Adrenalin-Kick.

Dass es im Europapark aber nicht nur junge Vergnügte, sondern auch ältere gibt, beweist die Unterhaltungsshow „Immer wieder Sonntag“. Bereits um 10 Uhr morgens kommt Alt und Alt zusammen, um unter Palmen bekannten Schlagersängern zu lauschen. Die Teilnehmer der Recherchefahrt setzten sich auf die unbequemen Sitze ohne Rückenlehne, zwischen das Meer aus grauem Haar. Die älteren Menschen waren alle außer Rand und Band – das Jungblut hier kaum zu übersehen; mit sorgenvoller Miene verfolgten Recherchefahrt-Teilnehmer das Spektakel. Hier also sollten sie die nächsten Stunden verbringen? Doch im Laufe der Aufnahme wurden auch sie vom Enthusiasmus der Zuschauer gepackt. Man könnte „Immer wieder Sonntag“ heutzutage als Kirchen-Ersatz bezeichnen: Stefan Mross spielt die Rolle des Pfarrers, einfaches Playback tritt an die Stelle von Kirchenliedern und buntes Konfetti ersetzt den Blumenstrauß auf dem Altar.

Foto: Europa-Park Freizeit- und Familienpark Mack KG

„Meine Musik ist das ja nicht, aber mit der Zeit lernt man, sie zu ignorieren“, äußerte ein Mitarbeiter nach den Aufnahmen auf die Frage, ob ihm die Musik gefalle. Danach öffneten sich endlich die Backstagetüren, die Zuschauer von Stars trennt. Oft vergisst man, wie viel Aufwand hinter einer solchen Sendung steckt. Hinter der Bühne reihen sich die Container wie Dominosteine aneinander: Make-Up, Requisite und Technik sind hier untergebracht. Nebenbei verriet uns ein Mitarbeiter, dass die Kosten der Sendung im sechsstelligen Bereich liegen.

Hinter den Kulissen entdeckte man aber nicht nur unglaublich viele Kabel, sondern auch einen völlig veränderten Moderator: Das Dauergrinsen von Stefan Mross schien wie weggeblasen, nachdem er die Bühne verlassen hatte.

Nach Musik und Show gab es einen Blick hinter die Kulissen der Öffentlichkeitsarbeit des Europaparks. „Erfolg durch Innovation“, das sei das Geheimnis für den Durchbruch des Familienunternehmens, erklärte eine Pressesprecherin. Inzwischen beschäftigt der Vergnügungspark über 3100 Mitarbeiter. Bedeutend ist auch, dass jeden Tag bis zu 300 Pressemitteilungen an Zeitungen versendet werden.

Foto: Europa-Park Freizeit- und Familienpark Mack KG

Auf die Theorie folgte die Praxis: Abrakadabra, schon hatten sich alle Teilnehmer in eine strenge Jury verwandelt und begannen den Europapark auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Jurorenkomitee behielt vor allem die Kategorien Vergnügungsfaktor und Gastronomie im Auge. Auf unerklärliche Weise gelang es mit Hilfe eines goldenen Schlüssels, die eine oder andere Warteschlange zu umgehen. Grün, rot, weiß, bei so vielen verschieden Gesichtsfarben, die aus den Achterbahnen stiegen, rutschte das eine oder andere Herz tief in den Hosenboden. Wenige Minuten später standen einem dann wortwörtlich die Haare zu Berge. Aber in den meisten Fällen nicht vor Angst, sondern wegen der Luftmassen, die einem bei bis zu 130 Km/h regelrecht ins Gesicht peitschten. Loopings, Spiralen und Schrauben sorgen dafür, dass die Nebennniere mit der Adrenalinausschüttung auf Hochtouren lief. Lobenswert, dass sich kein Teilnehmer trotz überstrapazierter Mägen erleichtern musste. Nachdem dann auch noch Deutschland gegen England das Achtelfinale gewann, hatte der Adrenalinpegel bei den meisten die Rekordhöhe erreicht.

Als Besucher stellt man leider fest, dass ein einziger Nachmittag nicht ausreicht, den gesamten Park zu entdecken. Besonders kulinarisch hat der Europapark viel zu bieten. Wandte man einmal seinen Blick von den unglaublich tollen Fischbrötchen ab, roch man um die nächste Ecke schon frische Donuts.

Das Fazit: Sowohl in dem Vergnügungsfaktor als auch in der Gastronomie konnte der Europapark mit vier von drei Sternen überzeugen. Das bewies auch die Tatsache, dass am späten Abend so mancher Jugendpressler erst durch Aufforderung eines Security-Mannes den Park verließ.

12 September, 2010 Kein Kommentar

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