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Ein Schwabe auf Abwegen – Sprachbarrieren

von Jan Zaiser

Foto: "Steffi Rettinger" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Norddeutsche essen nur Fisch und Süddeutsche gehen nur mit ihrer Tracht ins Geschäft. Doch das ist nicht das einzige, was uns unterscheidet. Gibt es klare Grenzen, wo Süddeutschland und Norddeutschland beginnen? Ja! Süddeutschland beginnt südlich der Elbe, Norddeutschland nördlich der Donau. Es genügt ein Blick ans andere Ufer, um das zu verstehen. Im besten Fall sind Blicke auch das einzige, was Nord- und Südlichter austauschen.

Nach bestandenem Abitur und 13 Punkten in Deutsch dachte ich, sprachlich meinem Auslandsaufenthalt gewachsen zu sein. 200 Tage und 5.000.000 Missverständnisse später weiß ich, wie weltfremd ich war! Als Schwabe in Kiel war Sprache für mich plötzlich nicht mehr das Mittel zur Verständigung. Die Horrorgeschichte beginnt am Stuttgarter Hauptbahnhof, als ich auf diese Menschensorte treffe, die einen mitten in der Nacht mit einem kräftigen „Moin moin“ begrüßt. Konnte sich dieser Bahnfahrer nicht bis zum Sonnenaufgang gedulden? Oder hat Rolf Zuckowski Recht, wenn er über die Sonne singt: „Im Norden ist sie nie zu sehen“? Wer in Dunkelheit aufwächst, tut sich schließlich schwer mit Tageszeiten und den passenden Grußformeln.Nach weiterem Rätselraten weihte mich ein Eingeborener in das Geheimnis ein: „Moin moin“ kommt nicht von „Guten Morgen“, sondern von „Na, mein Guter“. Ist doch sonnenklar. Sind Norddeutsche möglicherweise doch ganz okay? Mal unter uns. Was ist schlimmer: Jemand Fremden als „meinen guten Freund“ zu bezeichnen, oder ihm zu sagen, er möge doch bitte Gott von mir grüßen?

4 August, 2010 Kein Kommentar

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