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Ein Lichtermeer: Stimmung, Tradition, Kult

von Clara Dupper

Foto: in.Stuttgart (Wolfgang List)

Ein Park, Tausende Menschen, Sicherheitsleute stehen an Absperrungen, Flaschen werden ausgetrunken und weggeschmissen, Taschen nach Gegenständen, die gefährlich sind, durchsucht. Es ist 16 Uhr. Eine normale Situation am 10. Juli 2010. Nein, es spielt nicht die Nationalmannschaft – noch nicht – und nein, es handelt sich nicht um Public Viewing. Es ist Lichterfest auf dem Killesberg Stuttgart. Wieder sind Tausende Menschen, teilweise von weit angereist, um mit Freunden im Tal der Rosen im Stuttgarter Killesbergpark zusammenzusitzen, den Gesängen der Bands zu lauschen und mit dem Feuerwerk den 60. Geburtstag des Nuon Lichterfestes zu feiern. Das Lichterfest ist Kult.

Foto: Clara Dupper

Wer die Plakate für das Lichterfest entdeckt, fängt an Pläne zu schmieden mit wem er diesen Abend verbringen möchte. Eine Menschenkolonne zieht von der U-Bahn Haltestelle Killesberg zum Eingang des Parks. Wegen Bauarbeiten auf dem ehemaligen Messegelände wurde er in Richtung Perkins Park verschoben. Zwischen Baustellenabsperrungen und Sicherheitszäunen bewegt sich die Menge vorwärts. Kleine Gruppen bilden sich vor dem Eingang, auf manch einen Freund muss noch gewartet werden. Handys werden gezückt, Treffpunkte ausgemacht. Gleich am Eingang gibt es Lampions, die später ein Lichtermeer auf den Wiesen bilden. Es folgen viele unterschiedliche Essens-, Getränke- und Süßigkeitenstände. Hier kommt keiner zu kurz. Vorbei an einer Riesenhüpfburg, nähern wir uns unserem Ziel: Die Wiese im Tal der Rosen direkt unter dem Killesbergturm. Der Kampf um den besten Platz ist eröffnet. Wir haben Glück, es ist noch nicht allzu voll und wir finden einen schönen Platz in Nähe der Bühne, mit gutem Blick auf den Killesbergturm. Handtuch ausgepackt und erstmal durch schnaufen. Bei gefühlten 40 Grad kommt man sich vor wie in der Sauna. Gut, dass es die Stände mit gekühlten Getränken gibt. Mittlerweile ist es früher Abend geworden, ein Teil unserer Gruppe ist immer noch nicht vom Essenholen zurück und wir lauschen der Moderation von Radio Energy.

Foto: Clara Dupper

Hunger macht sich bemerkbar. Zurück in das Getümmel. Bestimmte Stände an unterschiedlichen Stellen des Parks sollen unser Ziel sein. So kommen wir auch an den Musikanten des Weinvogts Dieter Zais vorbei, schnappen Schwäbische Worte auf und schunkeln mit. Zurück an unserem „Liegeplatz“ bepackt mit „Kartoffelecken“ und einem kühlen Glas Rosé können wir nun die „Robbie Williams Cover Band“ hören. Die Stimmung ist gut, die Leute singen mit. Zwei Mutige wagen sich an die Bühne, um „Robbie“ zu unterstützen. Das Highlight des Abends rückt näher – das sehnlichst erwartete Feuerwerk. Die Musik von Radio Energy heitz nochmal richtig ein, das Fußballergebniss wird durchgegeben und eine Jubelwelle ist zu hören. Deutschland hat nach einer Zitterpartie endlich mit 3:2 gegen Uruguay gesiegt. Den Siegertreffer schoss Sami Khedira in der 82. Minute Also doch ein wenig Public-Viewing-Stimmung im Killesbergpark – auch ohne Leinwand. Nun kann das Feuerwerk beginnen. Ein kurzer Knall, eine kleine Rauchwolke, Stille. Ein Gast hinter uns „Was? Das soll es gewesen sein? Und dafür haben wir zwölf Euro gezahlt?“

Foto: Clara Dupper

Doch dann geht erst richtig los. Eingeleitet wird das Feuerwerk mit Fackeln, die in einem Kreis unterhalb des Killesbergturmes aufgestellt sind. Alle, die gerade noch saßen, stehen auf, um etwas zu sehen – zum Nachteil der Leute hinter ihnen. Doch kurz darauf sind die farbigen Lichtsterne am Himmel zu sehen. Verschiedene Motive leuchten zu Liedern wie Heavy Cross von The Gossip, Summer of 69 von Bryan Adams oder Metallicas Nothing Else Matters am Himmel auf. Auch wenn  nicht ganz synchron mit der Musik, so ist es doch schön anzusehen. Kein Wunder, dass die Besucher ihre Spiegelreflexkameras in Stellung bringen, um eine Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Nach einer halben Stunde ist das Spektakel vorbei. Das 60. Nuon Lichterfest geht zu Ende. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Wir kommen gerne wieder!

11 Juli, 2010 Kommentare deaktiviert für Ein Lichtermeer: Stimmung, Tradition, Kult

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