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Kurz. Knapp. Sexy.

von Anna Ruppert

Kaum wird es Sommer ist er wieder da: Der Minirock

Foto: "Bina Schneider" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Was ist kurz, knapp und sexy? Das kann doch nur der Minirock sein. Der ist heute noch so aktuell wie in den 60ern, als Frauen sich erstmals wagten so ein knappes Kleidungsstück zu tragen. Doch rockt der Mini immer noch oder ist er einfach nur peinlich?

Während heute Stars wie Britney  Spears mit gürtelbreiten Röcken ohne etwas drunter aus dem Auto steigen und der ganzen Welt einen Blick in ihren Intimbereich präsentieren, hatte der Mini anfänglich eine ganz andere Bedeutung. Als die britische Modeschöpferin Mary Quant den Mini in den sechziger Jahren zur Welt brachte, führte sie eine gesellschaftliche Revolution herbei: Das Kleidungstück war so gewagt, dass es einen Skandal auslöste und für weibliche Reize und Emanzipation gleichermaßen stand. Außerdem stärkte er das Selbstbewusstsein vieler Frauen und brachte die  Sechziger noch viel mehr in Schwung.

Doch wie kam Mary Quant überhaupt auf die Idee, ein so skandalöses Kleidungsstück zu erfinden? Die Mode der 50er Jahre war zu spießig und prüde gewesen. Als dann auch noch Coco Chanel behauptete, der hässlichste Körperteil eines Menschen sei das Knie, schnitt die Designerin Mary Quant protestierend ihre Röcke einfach bis zu zehn Zentimetern über dem Knie ab und verkaufte sie so in ihrem Laden in London.

Zehn Zentimetern über dem Knie! Das erscheint heutzutage geradezu brav, denn bei manchen Mädels erreicht der Rock nur knapp die Länge eines Rollkragens. Doch heute gelten bekanntlich auch völlig andere Maßstäbe: Partys in angesehen Diskos haben oft Titel wie „Ich krieg dich rum Party“. Welches Outfit würde dazu wohl besser  passen als ein gürtelbreiter Mini?

Ein Kontrast dazu ist jedoch wieder die spießige Seite unserer Gesellschaft. In manchen Bereichen gilt der Mini immer noch als Skandal. Während das Britische Königshaus schon in den sechziger Jahren Röcke bis zu sieben Zentimetern über dem Knie akzeptierte, gilt heute in Banken immer noch, dass Röcke und Hosen mindestens bis übers Knie gehen müssen, auch wenn frau blickdichte Strumpfhosen trägt.

Schockierend sind für mich allerdings frühpubertierende Kinder, die im Mini und ein paar Kilogramm Make-up sowie nichtgekonntem Hüftschwung über den Schulhof stolzieren. Das wollte Mary Quant mit der Erfindung des Minis wohl kaum bezwecken – hoffe ich. In den 60ern war der Mini sogar sehr praktisch: Die Mädchen und Frauen konnten sich darin viel freier bewegen, schließlich schaffte es niemand, in einem langen und engen Rock zum Bus zu rennen.

So richtig problematisch fand vor allem der Vatikan die kurzen Röckchen. Bereits fünf Tage nachdem eine Schauspielerin bei einer Audienz im schwarzen Minirock von Papst Paul VI empfangen worden war, protestierte der Vatikan gegen den Minirock-Trend. Es hieß: Der Minirock entwerte die Weiblichkeit und die Frauen selbst. Die Kirche könne ihn daher nicht billigen. Doch auch in Rom scheinen sich die Zeiten geändert und trotz dogmatisch-deutschem Pontifex Maximus entspannt zu haben.

Wie der Mini in der Männerwelt so ankommt, ist ja relativ klar: Bei schönen Beinen guckt jeder hin und bei etwas zu wohlgenährten Frauen werden gleich die härtesten Sprüche gerissen. Doch habe ich wirklich den richtigen Eindruck? Um mich zu versichern, habe ich über zwanzig junge Männer aus meinem Bekanntenkreis befragt. Gegen Miniröcke hatte keiner etwas. Wichtig ist die Figur und dass er nicht zu kurz ist, sonst wirke er schnell nuttig. Außerdem sollte der Anlass, zu dem man den Rock trägt, stimmen.
Ob sie ein Mädchen im Minirock weniger ernst nehmen würden verneinten bis auf zwei Jungs alle. Als absolute Unmöglichkeit gelten aber extra hohe Stiefel zum Minirock. Einige meiner Befragten beschrieben dieses Outfit als nuttig, doch das waren die milden Meinungen. Andere nannten es in schöner Deutlichkeit: das „Fick mich“-Outfit. Wer möchte schon modisch den Damen aus Herbert-, Kurfürsten-, oder Steintorstraße Konkurrenz machen?

Mir allerdings geht die Einstellung mancher Jungs gegenüber dem Minirock gehörig auf die Nerven. So könnte man sich Kommentare wie: „…die hat bestimmt nichts drunter“ wirklich ersparen. Wenn man sich im Minirock gekonnt präsentieren möchte, sind ein paar einfache Regeln zu beachten:

Der Mini brachte nicht nur Freiheiten mit sich: Wer nicht die richtige Figur hat, sollte also besser die Finger davon lassen. Ich möchte hier keine Magermodels unterstützen, doch für Übergewichtige empfehlen sich andere Kleidungsstücke.

Wichtig ist natürlich, wie man den Minirock kombiniert. Zuviel Make-up und ein freizügiges Oberteil wirken dazu einfach nur billig. Ebenso wirken auch bestimmte Arten von Schuhen wie hohe Lederstiefel oder High-Heels besetzt mit Strasssteinchen.

Wichtig ist es auch, für den passenden Anlass den richtigen Minirock zu finden. Schließlich gibt es ganz unterschiedliche Minivarianten.

Ein schicker Minirock passt eigentlich zu allen Events. Der Vorteil am Mini ist, dass er einen jünger aussehen lässt, weil er dank Schuluniformen an den Schulmädchen-Look erinnert. Ich selbst habe mich in Miniröcken immer wohl gefühlt. Denn schließlich zeige ich in einem kurzen Rock auch nicht mehr Bein als in Shorts. Glücklicherweise passierten mir im Mini nie peinliche Pannen, was wohl damit zusammenhängt, dass ich ihn nie zum Fahrrad oder Motorradfahren trage. Deshalb kann ich nur sagen: Der Minirock muss nicht peinlich sein. Er kann es aber schnell werden.

28 Juni, 2010 1 Kommentar

Aktuell gibt es "1 Kommentar" für diesen Artikel:

  1. Tobias sagt:

    Test

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