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Turmbau zu Basel

von Andreas Hensler

Göttliche Pose und konservierte Wespen bei der Carpenters Gallery - Foto: Design Miami/Basel

Leicht verborgen, trotzdem sichtbar: Die Design Miami/Basel hat sich zwischen der Art Basel und Schweizer Gemütlichkeit eingenistet. Das „globale Forum für Design“, wie sich die Messe nennt, wagte sich 2010 mit einem pseudobiblischen Turm in den Himmel.

Florian Borkenhagen entwarf mit „Miami Babel“ eine biblische Globalisierungsinstallation – gebaut aus Kakaopaletten, jedes Stück mit seiner eigenen Geschichte. Obwohl er die ganze Welt in einem Turm vereint, ist dieser nicht hoch genug, um den Himmel zu grüßen. Der Turm ist die symbolische Treppe zwischen „Labor und Wohnzimmer“, zwischen „Ikea und Erfolg“ für die jungen Designer.

Der Turm zu Basel, getauft auf Miami Babel - Foto: Design Miami/Basel

Design, Bibel, Erfolg, Geschichte? Die Autorin Christine Soares schrieb im New Yorker „Modern Magazine“, dass Wissenschaftler dazu neigen, die Evolution einen blinden Designer zu nennen. Sind aber Designer blinde Evolutionäre? In gewisser Weise schon, denn sie produzieren für die Ausstellung in Basel Kunst. Es sind Designobjekte, die vorrangig Sammlerobjekte werden.

Designer und die Turmbauer von Babel verbindet eines: Der Wunsch nach dem schier Unerreichbaren. Für die Babylonier war es der Weg zu Gott, für den Designer das Design ohne die lästige Frage nach der Funktionalität. Kaum eine kann das besser bezeugen als die vor Ort anwesende Zaha Hadid: Heute vergötterte Schöpferin der Architekturwelt, früher für viele ein Möchtegern-Gottwesen mit kühnen unrealisierbaren Visionen.

Zaha Hadid, die irakische Architektin im Gespräch mit Edwin Heathcote von der Finanical Times - Foto: Design Miami/Basel

Die Visionen der irakischen Architektin ruhten lange, bis sie verwirklicht wurden. Nur wenige Kilometer von Basel entfernt, entstand ihr erstes Gebäude auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Es war kein Turm zu Babel, es war eine Feuerwache zu Weil. Ihr Durchbruch.

Die Designer, die bereits von Galerien auf der Messe gezeigt wurden und diejenigen die anwesend waren um gesehen zu werden, sie hoffen alle weiter auf den großen Durchbruch. Denn auch nach fünf Tagen Messe wurde Gott nicht gefunden, nicht neu designt und trotz Miami Babel der Eingang zum Himmel nicht entdeckt. Was bleibt sind Visionen. Nächstes Jahr vielleicht ein geteilter blauer Rhein von Design Moses/Basel?

Die Design Miami/Basel findet jährlich in Basel (Juni) und Miami (Dezember) statt: http://www.designmiami.com/

25 Juni, 2010 Kein Kommentar

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