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Über die vierte Gewalt

von Ekaterina Eimer

Seit seiner Entstehung hat sich der journalistische Beruf interessant entwickelt und ist heute so vielfältig wie die Themenwahl

Journalisten haben es noch nie leicht gehabt. Im Mittelalter publizierten sie unter größtem Aufwand ihre Nachrichten und Meinungen auf Flugblättern, blieben aber meist ungehört dank Analphabetismus. Seit der Renaissance kämpften sie unermüdlich für Meinungs- und Pressefreiheit, ließen sich Manipulanten schimpfen, diskriminieren und verfolgen.

Kaum hatte sich der Beruf des Journalisten im 19. Jahrhundert etabliert, die subjektive Meinung abgeworfen und die Presse zur Vierten Gewalt gemacht, brachen gleich drei Revolutionen im 20. Jahrhundert über ihn herein: Hörfunk, TV und Internet.

Überrannt von der rasanten Entwicklung diktierte die Kommerzialisierung von nun an die Richtung; die neuen und alten Medien wurden schrittweise vom gesellschaftspolitischen Kulturgut zum marktgesteuerten Massenprodukt.

Heute sitzen die Journalisten zwischen den Stühlen und müssen aus dem Informationsdschungel schnell das Wichtigste herausfiltern, objektiv Bericht erstatten, kritisch das Gemeinwesen kommentieren, die Demokratie und Gesellschaft stärken, sich gegenüber den Hobbybloggern abgrenzen, aber auch auflagenorientiert schreiben, Lobbygeschenke ausschlagen, immer aktuell bleiben und Kritik für ihre Doppelmoral wegstecken.

Zwischen den Stühlen

Und das Ganze für einen Hungerlohn. Nicht zu vergessen sind die Boulevardnachrichten und PR-Agenturen, welche die Unübersichtlichkeit der Informationsmassen nutzen, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf Banalitäten zu lenken und sie für das Wesentliche abzustumpfen. Auf diesem vorläufigen Höhepunkt der Kommerzialisierung und Demokratisierung von Journalismus, wenn Medien überall präsent sind und jeder seine Meinung äußern kann, ist es umso wichtiger, ein medienkompetentes und -kritisches Publikum zu haben. Ein Publikum, das die Medienprodukte nochmals filtert, guten Journalismus erkennt und schätzt. Nur so kann die Vierte Gewalt ihren Einfluss erhalten.

14 März, 2010 Kein Kommentar

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