Home » Gesellschaft »Kultur »Literatur » Aktuell am lesen:

Die richtigen Worte

von Rebecca Rössling

Jahrhunderte lang schreiben sich verliebte Menschen die schönsten Gedanken und Gefühle. Briefe, die Herzklopfen versprechen.

Bertolt Brecht sagte einmal: „Liebe ist der Wunsch, etwas zu geben, nicht zu erhalten.“ Über Jahrhunderte hinweg gibt es, bis heute, keine romantischere, häufigere und bedeutsamere Form einem geliebten Menschen etwas zu geben und gleichzeitig seine Liebe auszudrücken, als den Liebesbrief.

Er gibt uns die Möglichkeit, all unsere Gefühle und Gedanken zu offenbaren und doch eine gewisse Distanz zu wahren. Denn wer kennt nicht die Angst vor einer Zurückweisung oder davor nicht auf Anhieb die richtigen Worte zu finden?

Der Liebesbrief ist eine sehr persönliche Form des Liebesbeweises und war vor Jahrhunderten für Männer eine Möglichkeit, ihre emotionale Seite zu offenbaren. Andersrum war er bei den Frauen, für die es sich nicht gehörte in der Öffentlichkeit Gefühle zu zeigen, das einzige Mittel sich einem Mann zu öffnen.

Was einst die einzige Kommunikationsmöglichkeit über weite Entfernungen war, hat sich bis heute als besonderer Liebesbeweis durchgesetzt und steht somit immer noch über E-Mails oder SMS.

Die Bücher „Liebesbriefe großer Männer“ von Petra Müller und Rainer Wieland und „Liebesbriefe großer Frauen“ von Sabine Anders und Katharina Maier versammeln die intimsten Gedanken vieler bekannter Persönlichkeiten an ihre große Liebe, die Affäre, einen Verflossenen oder den Ehepartner.

Ob Ludwig van Beethoven, Rosa Luxemburg, Albert Einstein, Marie Antionette oder Martin Luther, sie alle werden uns gar nicht so unähnlich, wenn sie ihren Geliebten „Mein Engel, mein Alles, …“ oder „Ich will zu dir! Ich kann nicht mehr!“ schreiben. Sie nennen sich gegenseitig „Liebste“, „mein Schatz“ oder „Mein süßes Herzchen“, schwören sich ewige Treue, flehen um die Liebe des anderen, schreiben verruchte Sätzchen („Ich will dich!“) oder erzählen von ihrer Einsamkeit. Zu allen Briefen findet der Leser eine kleine Zusammenfassung der dazugehörigen Liebesgeschichte und hat somit die Möglichkeit, in einen ganz intimen Moment zweier Liebenden zu spitzeln.

Es sind zwei Sammlungen von Liebesbriefen, die sowohl Lachen, Tränen als auch Herzklopfen hervorrufen – und vielleicht Sehnsucht nach dem ein oder anderen eigenen Liebesbrief.

(Müller, Petra; Wieland, Rainer: Liebesbriefe großer Männer. Piper, November 2009)
(Anders, Sabine; Maier, Katharina: Liebesbriefe großer Frauen. Marixverlag, Februar 2009)

14 März, 2010 Kein Kommentar

Diesen Artikel kommentieren:







Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

Kategorien