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Känguru-Würstchen zum Frühstück

von Katharina Tomaszewski

Weihnachten am weißen Sandstrand, Skorpion-Spieße als Snack und ein Rudel Kängurus mitten auf der Straße: Work und Travel ist nicht nur eine günstige Reisevariante, sondern für viele auch die Erfüllung ihrer Träume, wie für Susanne Rein. Sie reiste sechs Monate lang durch Asien und Australien

„Ich wollte schon immer eine große Reise machen und der Zeitpunkt war perfekt“. Die 25-jährige Speditionskauffrau aus Rottenburg am Neckar beschloss, nach ihrer Ausbildung eine Auszeit zu nehmen. Als Naturfreak sollte es aber kein Pauschalurlaub werden, sondern ein Abenteuer mit Arbeitsaufenthalt.

Von November 2007 bis März 2008 war Susanne unterwegs. Unterwegs bedeutete: Sechs Monate lang aus einem 22-Kilo- Rucksack leben, mit wenig Geld auskommen und kaum eine Woche am selben Ort leben. Ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungen, um Urlaub-Visas bei den verschiedenen Botschaften zu beantragen, ein Arbeitsvisum für Australien zu erhalten, um sich impfen zu lassen und den ersten Reisepass zu holen. Bevor die Arbeit in Australien losging, machte Susanne ersteinmal Urlaub in Asien. „Das war das komplette Gegenteil zu unserer Kultur“, erzählt sie, während sie ihre wilden braunen Locken aus dem Gesicht streicht. „In Singapur steht die Todesstrafe auf den Besitz von Drogen. Außerdem ist das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten und essen und trinken in der U-Bahn wird hart bestraft.“

Von Singapur aus ging es mit dem Zug weiter nach Kuala Lumpur in Malaysia. Die ersten Wochen reiste Susanne zusammen mit einer Freundin as Deutschland. Gemeinsam kauften sie sich einen Gebrauchtwagen. „Der Volvo war fast so alt wie ich.“, erzählt Susanne. „Bei der Probefahrt ist uns auch gar nicht aufgefallen, dass die Bremse kaputt war“. Zum Glück lernten Susanne und ihre Freundin im Supermarkt ein nettes schwules Pärchen kennen. Sie halfen ihnen und bauten sogar neue Teile ins Auto, damit sie weiterfahren konnten. „Später hat uns das Pärchen gesagt, dass auf unserem Auto ein Lesben-Aufkleber ist“, lacht Susanne, „das war peinlich“.

Von Sydney ging die Reise weiter nach Griffith, 600 Kilometer südwestlich von Sydney. Hier jobbte Susanne auf einer Obst und Gemüsefarm. Die Arbeit war eintönig und anstrengend. Mittags betrug die Temperatur etwa 30 Grad im Schatten, in den Gewächshäusern sogar bis zu 40 Grad. „In Griffith hab ich zum ersten Mal Kängurus gesehen“, erzählt Susanne von ihrem Lieblingsmoment der Reise. Auch Koalas, Emus und Strauße liefen frei rum. Aborigines hat die Backpackerin auch gesehen, meist in Großstädten, Didgeridoo spielend.

„An Weihnachten habe ich einen Sandmann gebaut.“ Statt im Schnee verbrachte Susanne die Feiertage am Strand. An Silvester bewunderte sie das Feuerwerk über Sydney. Ende Januar folgte die letzte Reise: Auf dem Roadtrip fuhr sie von Canberra über den Mungo National Park entlang der Great Ocean Road nach Melbourne. Dann flog sie nach Bangkok, in Thailand, fuhr „Tuk Tuk“, ein Taxi, das einem Golfer-Wagen ähnelt, und besuchte Vientiane, Laos und Hanoi, in Vietnam. Von dort fuhr sie weiter mit dem öffentlichen Bus: „Da lag neben mir ein Ziegenfuß“, erzählt sie. Schließlich kam Susanne in Peking an, wo sie auf der Chinesischen Mauer lief und auf dem Markt zum ersten Mal Seepferdchen- und Skorpion-Spieße sah. Nach dem letzten Stopp in Xian, Südkorea, ging´s zurück nach Deutschland. „Die Reise war stressig“. Morgens aufwachen und nicht wissen, was heute passieren wird, ist anfangs reizvoll aber auf Dauer anstrengend. Susanne findet dennoch: „Das war´s auf jeden Fall wert: „Ich bin in manchen Situationen nicht mehr so ernst und angespannt. Und jetzt kann ich sogar mit Stäbchen essen“.

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

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