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Vom Lehrer zum Manager

von Elisabeth Böker

Eines hat der deutschen Literaturszene in den letzten Jahren gefehlt: frischer, jugendlicher Witz und Ton. Jetzt ist beides da. Ein 23-jähriger Autor wirbelt die Szene auf.

Robert Beck befindet sich in seiner Midlifecrisis. Hinter ihm liegt eine gescheiterte Musikerkarriere, nun ist er liebloser Deutsch- und Musiklehrer an einem Münchner Gymnasium. Viele schnell zerbrochene Liebesaffären hat Beck erlebt, doch von der wahren Liebe keinen blassen Schimmer. Jetzt kann sich alles ändern: In Becks elfter Klasse ist ihm der Außenseiter Rauli Kantas aus Litauen aufgefallen. Der 17-jährige hat ein unglaubliches Talent: Er spielt besser Gitarre als Jimi Hendrix!

Beck erblickt seine große Chance: Er will Raulis Manager werden und ihn – und sich selbst – zum Star machen. Doch ganz so einfach ist das nicht, da der Litauer so manches Geheimnis mit sich trägt. Zur gleichen Zeit scheint sich Becks Leben auch privat zu bessern: Er trifft auf die Kellnerin Lara, mit der er das erste Mal so richtig glücklich wird. Bei einer Reise mit Rauli und dem alten Freund Charlie in die Türkei erkennt Beck wie auch die anderen, dass es wichtig ist, sich selbst zu finden und sein Leben zu gestalten, so dass man stets von Erinnerungen zehren kann.

Frisch, leicht und locker erzählt der junge Benedict Wells die Geschichte von Becks letztem Sommer. Oft mit einem witzigen Ton, der herzhaftes Lachen garantiert. Dennoch fehlt dem Roman nicht die Ernsthaftigkeit: Lebensphilosophische Tipps werden gekonnt eingeflochten und regen zum Nachdenken an. Hier hat es ein Talent geschafft, die Literaturszene zu erobern. Hoffentlich liest man noch einige Jahre solch gute Romane von ihm!

(Wells, Benedict: Becks letzter Sommer. Diogenes Verlag, September 2008)

9 Februar, 2010 Kein Kommentar

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